Warschau 35 Jahre später – eine Stadt, die weiß, wofür sie kämpft.
Foto: Vincent Villwock / Grüne Fraktion Berlin
Warschau ist keine Stadt, die Vergangenheit zur Dekoration macht. Das merkt man schnell, am Ghetto-Ehrenmal, das mitten im Stadtbild steht, ohne viel Abstand, ohne Schonraum. Am Aufstandsdenkmal, das nicht Niederlage zeigt, sondern Haltung. Und an der Energie auf den Straßen, wenn Zehntausende für ihre Rechte demonstrieren.
Zum 35. Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Warschau sind wir als Fraktion in die polnische Hauptstadt gereist. Nicht um zu feiern, sondern um zuzuhören, zu erinnern und Seite an Seite für Freiheit und Demokratie zu stehen.
Geschichte, die nicht vorbei ist
Wer über Demokratie und Menschenrechte redet, tut das in Warschau nie im Abstrakten. Diese Stadt musste, auch durch uns Deutsche, schmerzhaft lernen, was Freiheit kosten kann. Das sitzt tief, bis heute. Am zweiten Tag legten wir deshalb Kränze nieder. Zuerst am Ghetto-Ehrenmal, dann am Denkmal des Warschauer Aufstands. In der Nationalgalerie Zachęta begegneten wir einer Ausstellung, die diesen Bogen in die Gegenwart zieht: Krzysztof Gils Arbeiten fragen, wer dazugehört und wer draußen bleibt, eine Frage, die in Polen wie in Berlin brennt.
Foto: Vincent Villwock / Grüne Fraktion Berlin
Solidarität auf der Straße
Bei der Parada Równości — der Warsaw Pride — durften wir auf dem Grünen Truck mitfahren. Zehntausende Menschen, Fahnen, Musik, und richtig gute Stimmung. Werner Graf hatte es vor der Reise auf den Punkt gebracht: „Queere Rechte sind Menschenrechte, und sie sind untrennbar mit einer lebendigen, wehrhaften Demokratie verbunden.“
Wir sind nicht mit erhobenem Zeigefinger gekommen. Denn Polen hat in den letzten Jahren selbst vieles erkämpft und verschoben. Wir sind als europäische Nachbarn und Freunde gekommen, weil Zivilgesellschaft nur dann stärker wird, wenn sie sich gegenseitig sieht und zuhört.
Foto: Vincent Villwock / Grüne Fraktion Berlin
Gespräche, die zählen
Beim Abendessen mit Małgorzata Kopka-Piątek vom Institut für Öffentliche Angelegenheiten hörten wir, wo Polen heute steht zwischen echtem Aufbruch und zähen Rückständen. Im Ukrainischen Haus sprachen wir mit Myroslava Keryk über das, was es bedeutet, wenn eine Stadt über Nacht zur Heimat für Hunderttausende wird. Und beim Abschlussfrühstück mit Stadtratsvize Ewa Janczar und ihrem Team im Kulturpalast von Warschau wurde klar: Städtepartnerschaften sind dann mehr als Verwaltung, wenn Menschen dahinterstehen, die sie wirklich wollen.
Foto: Vincent Villwock / Grüne Fraktion Berlin
Was bleibt
35 Jahre Berlin–Warschau. Das sind zwei Städte, die wissen, was es heißt, sich neu erfinden zu müssen. Diese Reise hat uns daran erinnert, dass Demokratie kein Zustand ist, den man hat, sondern eine Praxis, die man pflegen muss. In Warschau tun das viele Menschen täglich, mit Mut und Ausdauer.
Wir fahren mit Respekt zurück. Und mit dem Gefühl, dass diese Partnerschaft noch viel mehr tragen kann – und wird.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von OpenStreetMap. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.