Verdrängung durch Eigenbedarf stoppen: Berlin braucht eine Ankaufsagentur Berlin
Foto: Anna Fiolka
Ein neues Konzept aus dem Bündnis „Wohnungsnot durch Umwandlung und Eigenbedarfskündigungen stoppen!“ schlägt ein Sofortprogramm für den gemeinwohlorientierten Ankauf umgewandelter Häuser vor. Kern ist eine Ankaufsagentur, die betroffene Hausgemeinschaften berät, tragfähige Erwerbsmodelle entwickelt und sie mit Genossenschaften oder landeseigenen Wohnungsunternehmen zusammenbringt. Dazu erklärt Katrin Schmidberger, Sprecherin für Wohnen und Mieten:
„362.652 Mietwohnungen wurden in Berlin seit 1991 in Eigentumswohnungen umgewandelt. Die Umwandlung ist inzwischen weitgehend gestoppt, aber die Folgen treffen die Mieter*innen erst jetzt, Haus für Haus. Allein in den seit 2011 umgewandelten Wohnungen leben rechnerisch rund 228.000 Menschen. Der Berliner Mieterverein zählt für 2024 mindestens 3.000 eigenbedarfsbedingte Räumungsklagen.
Eine wirksamer Kündigungsschutz ist überfällig, jedoch wird hier der Bund weiterhin untätig bleiben. Wir müssen als Berliner*innen eigene Lösungen finden. Das Konzept zeigt, wie günstig das Zeitfenster gerade ist: Die Kaufpreisfaktoren sind von 32 auf 23 gefallen, die KfW-Förderung für Genossenschaftsanteile wurde deutlich verbessert. Was fehlt, ist die professionelle Projektentwicklung, die aus einem bedrohten Haus ein finanzierbares Ankaufsprojekt macht. Genau das leistet die Ankaufsagentur. Damit ließen sich etwa 1.200 Wohnungen dauerhaft sichern, mit einem Zuschuss von rund 5.000 Euro pro Wohnung. Wir brauchen einen Senat, der dieses Programm so schnell wie möglich auf den Weg bringt, statt weiter zuzusehen, wie Menschen aus ihren Kiezen verdrängt werden.“
