IHK-Konjunkturbericht: Warnsignal für den Wirtschaftsstandort Berlin
Foto: Vincent Villwock / Grüne Fraktion Berlin
Zum IHK-Konjunkturbericht Frühsommer kommentiert Tuba Bozkurt, Sprecherin für Industrie und Digitalwirtschaft:
“Der aktuelle Konjunkturbericht der IHK sollte ein Weckruf für den Berliner Senat sein. Während die Unternehmen weniger investieren, weniger Personal einstellen und zunehmend pessimistisch in die Zukunft blicken, verweist der Senat weiterhin auf Wachstumsprognosen. Das greift zu kurz.
Die eigentliche Warnung dieses Berichts ist nicht der Konjunkturindex. Die eigentliche Warnung ist das schwindende Vertrauen vieler Unternehmen in die wirtschaftliche Entwicklung des Standorts Berlin.
Der Senat verweist regelmäßig auf das überdurchschnittliche Wachstum Berlins. Der IHK-Bericht zeigt jedoch eine andere Realität: Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen fällt auf den niedrigsten Stand seit der Corona-Pandemie, die Beschäftigungspläne sind so schwach wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Wachstum auf dem Papier ist wenig wert, wenn Unternehmen gleichzeitig ihre Investitionen zurückfahren.
Besonders nachdenklich stimmen die widersprüchlichen Signale aus der Berliner Wirtschaft. Einerseits werden Milliarden an Fördermitteln bereitgestellt, andererseits sinken Investitionsbereitschaft und Zukunftserwartungen. Rekordförderung und Rekordskepsis gleichzeitig – das ist der Widerspruch, den die Berliner Wirtschaftspolitik endlich erklären muss.
Berlin verfügt über exzellente Forschung, innovative Unternehmen, eine starke Startup-Szene und großes industrielles Potenzial. Umso dringlicher stellt sich die Frage, wie diese Stärken künftig in Wertschöpfung, gute Arbeitsplätze und nachhaltiges Wachstum übersetzt werden sollen.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Berlin wächst. Die entscheidende Frage lautet, wovon Berlin künftig leben will. Berlin braucht deshalb mehr als die Verwaltung des Status quo. Berlin braucht eine wirtschaftspolitische Strategie, die Innovation, Industrie, Gründungen und Fachkräfteentwicklung zusammen denkt. Berlin braucht kein Stückwerk, sondern eine Strategie.“
