Polizeiliche Kriminalstatistik: Kriminalität sinkt – neue Herausforderungen bleiben
Foto: Vincent Villwock/Grüne Fraktion Berlin
Zur polizeilichen Kriminalstatistik 2025 erklären Vasili Franco, Sprecher für Innenpolitik, und Gollaleh Ahmadi, Sprecherin für Sicherheitspolitik:
Vasili Franco: „Sinkende Zahlen sind natürlich besser als steigende Zahlen, das Niveau an Straftaten in Berlin bleibt jedoch auf einem hohen Niveau. Zu hoffen ist, dass die negativen Effekte aus den Pandemiejahren sich mittlerweile stabilisiert haben.
Da die Polizeiliche Kriminalstatistik eine Arbeitsbilanz der Polizei ist, ergibt sich aus ihr kein umfassendes Bild der Kriminalitätsentwicklungen. Die Kriminalstatistik allein beantwortet nicht, wieso Morde, Schusswaffengebrauch oder Wohnungseinbrüche zunehmen oder warum Körperverletzungen, Raub und Diebstähle in bestimmten Bereichen zurückgehen und in anderen steigen. Gerade angesichts der sehr unterschiedlichen Entwicklungen von Ab- und Zunahmen je nach Delikt braucht es eine deliktsspezifische Betrachtung von Phänomenen, um die Kriminalitätsbekämpfung gezielt zu verbessern. Die Kriminalstatistik sollte um einen periodischen Sicherheitsbericht ergänzt werden, der Ursachen, mittel- und langfristige Entwicklungen und Justizstatistiken mit einbezieht.
Was sich durch alle Kriminalitätsbereiche zieht, ist die Tatsache, dass Männer deutlich überproportional zu Tätern werden. Das zeigt sich besonders deutlich bei Gewaltdelikten. Hinzu kommen gewaltsteigernde Vorfälle unter Alkoholeinfluss. Bei jedem dritten Angriff auf einen Vollstreckungsbeamten war Alkohol im Spiel.
Das Hellfeld der sexuellen, partnerschaftlichen und häuslichen Gewalt nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. Im Umgang mit Gewalt gegen Frauen zeigt sich ein tiefgreifendes gesellschaftliches Problem, das nicht mit einer Handvoll Fußfesseln zu lösen sein wird. Eine sichere Stadt für Frauen lebt von Prävention, Aufklärung sowie Schutz- und Beratungsangeboten.
Auch weiterhin ist ein Anstieg von politisch motivierter Kriminalität in allen Phänomenbereichen festzustellen. Besonders problematisch ist dabei die Zunahme von gewaltbereiten rechtsextremen Jugendlichen, die ihre Taten nicht mehr nur im Netz, sondern zunehmend auf der Straße begehen.“
Gollaleh Ahmadi: „Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt ein bekanntes Bild für eine Großstadt wie Berlin: Kriminalität reicht von Eigentumsdelikten über Gewalt im öffentlichen Raum bis hin zu digitalem Betrug und Hass im Netz. Wer Sicherheitspolitik ernst nimmt, darf sich deshalb nicht nur auf spektakuläre Einzelfälle konzentrieren, sondern muss strukturelle Entwicklungen im Blick behalten.
Gewaltkriminalität bleibt weiterhin ein zentrales Thema. Viele Gewalttaten entstehen im öffentlichen Raum oder im sozialen Nahbereich. Repression allein reicht hier nicht aus. Wir brauchen eine Kombination aus konsequenter Strafverfolgung, Prävention, sozialer Arbeit und sichtbarer Polizeipräsenz.
Gleichzeitig verlagert sich Kriminalität zunehmend in digitale Räume. Online-Betrug, Hass im Netz und sexualisierte Gewalt gegen Kinder zeigen, dass Sicherheitspolitik heute auch Cybersicherheit bedeutet. Polizei und Justiz müssen dafür technisch besser ausgestattet und Ermittlungsstrukturen weiter spezialisiert werden.
Ein besonders alarmierender Bereich bleibt Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt. Ein großer Teil dieser Taten findet im privaten Umfeld statt. Innere Sicherheit beginnt deshalb nicht nur auf der Straße, sondern auch im digitalen Raum und im eigenen Zuhause. Wir müssen den Opferschutz stärken, Frauenhäuser ausbauen und Polizei sowie soziale Einrichtungen besser vernetzen.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik macht außerdem deutlich, dass für das Sicherheitsgefühl vieler Menschen auch sogenannte Alltagsdelikte entscheidend sind, etwa Fahrrad- oder Taschendiebstahl. Gute Beleuchtung, sichere öffentliche Räume sowie Präsenz von Polizei und Ordnungsamt bleiben daher wichtige Bausteine für Sicherheit in der Stadt.
Moderne Sicherheitspolitik verbindet konsequente Strafverfolgung mit Prävention, sozialer Infrastruktur und digitaler Kompetenz. Nur so stärken wir die Sicherheit und Resilienz unserer Stadt.“

