Verkehrssimulation der Autobahn GmbH belegt: A100-Chaos wäre vermeidbar!
Foto: Vincent Villwock / Grüne Fraktion Berlin
Die Autobahn GmbH des Bundes hat heute eine Präsentation der Ergebnisse ihrer Verkehrssimulation aus dem Jahr 2024 vorgelegt. Die Grüne Fraktion Berlin hat diese Präsentation ausgewertet. Die verkehrspolitische Sprecherin, Antje Kapek, teilt dazu folgendes mit:
„Wir sind empört darüber, dass diese Simulation heute an die Presse verschickt wurde, obwohl der Senat gegenüber dem Parlament behauptet hatte, dass diese Simulation so geheim sei, dass man sie nicht einmal Abgeordneten vorlegen dürfe. Wenn man dieses Kommunikationschaos von Bund und Senat und dann den Inhalt der heute präsentierten Verkehrssimulation betrachtet, dann erklärt sich auch die Verschleierungstaktik: Sie wussten nämlich ganz genau was passieren wird. Die Simulation legt klar offen, dass die gewählte Verkehrsführung ins maximale Chaos führen wird: für den Kfz-Verkehr und die Öffis.“
Zur Auswertung teilen wir folgendes mit:
1. Es wurden vier Varianten zur Elsenbrücke untersucht:
Variante 1) Status quo – 1/1 Fahrstreifen je Richtung
Variante 2) 3/2 Fahrstreifen je Richtung (3 von Friedrichshain nach Treptow, 2 von Treptow nach Friedrichshain)
Variante 3) 1/2 Fahrstreifen je Richtung (1 von Friedrichshain, 2 von Treptow)
Variante 4) 2/1 je Richtung (2 von Friedrichshain, 1 von Treptow)
2. Die Variante 1 – status quo (also die letztendlich gewählte und bis heute bestehende Verkehrsführung) wurde als schlechteste Variante für den Kfz-Verkehr und zweitschlechteste für den ÖPNV bewertet.
3. Hierfür wurde an 9 bzw. 10 Knotenpunkten (Frühspitze/Spätspitze) für den Kfz-Verkehr die Qualitätsstufe F ermittelt. F bedeutet „Die Wartezeiten sind für die jeweils betroffenen Verkehrsteilnehmer sehr lang. Auf dem betrachteten Fahrstreifen wird die Kapazität im KFZ-Verkehr überschritten. Der Rückstau wächst stetig. Die Kraftfahrzeuge müssen bis zur Weiterfahrt mehrfach vorrücken.“ Das Verkehrssystem ist also überlastet, es kommt faktisch zu einem Zusammenbruch der Verkehrsströme.
4. Insbesondere für Puschkinallee und Markgrafendamm/Stralauer Allee/Elsenbrücke/Stralau wurde für Variante 1 und 4 ein kritischer Rückstau ermittelt, Busse können die Haltestellen nicht mehr anfahren.
5. Die AdB schlägt Anpassungsmaßnahmen in Puschkinallee und Stralauer Allee vor, Parkplätze sollten zugunsten einer zusätzlichen Kfz-Spur umgewandelt werden. Das wurde nicht umgesetzt.
6. Der Verkehr hat sich nach der Eröffnung des 16. BA der A100 genauso verhalten wie prognostiziert, die Aussage von Senatorin Bonde, dass sich der Verkehr jetzt anders verhält als simuliert, lässt sich anhand der AdB-Simulation nicht bestätigen. Hier liegt eine unglaubwürdige Aussage vor. Mindestens die Aussage, “wir haben den Verkehr simuliert – ER VERHÄLT SICH ANDERS“ ist nicht zutreffend. Der Verkehr verhält sich genau so, wie von der AdB simuliert.
7. In der Präsentation finden sich keine Aussagen zu Empfehlungen wie Lichtsignalanlagen anzupassen wären. Anpassungen an LSA hat SenMVKU laut den Aussagen von Bonde im Verkehrsausschuss in einer weiteren Simulation im Februar 2025 ein anderes Ingenieurbüro untersuchen lassen, die dann im Juli 2025 durch das Büro präsentiert wurden. Diese zweite Simulation hat also offenbar SenMVKU auf Grundlage der AdB-Simulation durchgeführt. Diese Simulation sollte im Rahmen der Akteneinsicht vorgelegt werden.
8. Indem die AdB die Präsentation der Presse gegeben hat, erscheint der formulierte Vorbehalt zu einer Veröffentlichung nicht mehr nachvollziehbar. Es müssen jetzt alle Unterlagen zu allen Simulationen dem Ausschuss vorgelegt werden. Volle Transparenz ist jetzt dringend geboten.
Sowohl die AdB, als auch der Senat haben sich zudem in erheblichen Widersprüchen verstrickt. So hat die AdB selbst gestern noch (schriftlich ggü. dem Tagesspiegel) behauptet, es gäbe keine neue Simulation. Die letzte sei vor 2010 gemacht worden. Auch der Senat hat behauptet, sie hätten selbst simuliert, dann wieder, dass der Bund simuliert hätte und dann auch, dass die letzte Simulation vor 2010 erstellt worden sei.
