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Schutz vor Feuer in Berlins Wäldern: Fachgespräch zur Waldbrandprävention

Theodor Griffin

Hitze und Trockenheit machen unsere Wälder immer anfälliger für Feuer. Die Waldbrandgefahr steigt mit jedem Dürrejahr. Wir brauchen daher auch in Berlin präventiven Schutz vor Waldbränden – mittels Waldumbau, aber auch technischer Vorbereitung und nicht zuletzt enger Zusammenarbeit zwischen sämtlichen Akteur*innen. Vieles wird bereits umgesetzt. Angesichts der fortschreitenden Klimakrise müssen wir aber bestehende Konzepte und Praktiken hinterfragen und weiterentwickeln.

Einen Beitrag dazu leistete unser Fachgespräch „Schutz vor Feuer in Berlins Wäldern“, das am Mittwoch, den 24. Mai 2023 im Abgeordnetenhaus stattfand.

Unsere Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort. Sie wies darauf hin, dass der Waldumbau Jahrzehnte brauche, wir aber jetzt präventiv agieren müssen – durch eine engere Zusammenarbeit und ein effektiveres Krisenmanagement. Bei der Bekämpfung des Brandes im Grunewald 2022 habe die Zusammenarbeit aller relevanten Akteur*innen vorbildlich funktioniert, es sei aber eher spontan gewesen. Wir müssen uns auf solche Ereignisse besser vorbereiten und auch als Gesellschaft insgesamt resilienter werden.

Dass die Zusammenarbeit systematisch verbessert werden soll – darüber waren sich alle Gäste auf dem Podium einig.

Waldbrandschutz sei eine Querschnittsaufgabe, betonte Dr. Johann Georg Goldammer, Professor für Feuerökologie am Max-Planck-Institut für Chemie in Freiburg. Er sprach von Public Private Partnership und der Notwendigkeit, das Silodenken und die Egoismen zu überwinden. Wir haben in Deutschland mit 16 Bundesländern, 294 Landkreisen, 22 Tausend Feuerwehren, eine Situation, wo jeder für sich allein arbeite. Umfassende Lösungen für eine Landschaft, die sehr stark vom Menschen beeinflusst ist, erfordern horizontale Ansätze.

Auch Per Kleist, Ständiger Vertreter des Landesbranddirektors, plädierte für mehr Vernetzung: „Ein interdisziplinärer fachlicher Austausch fördert immer das Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und Zielsetzungen, zeigt gleichwohl aber auch Schnittstellen und gemeinsamen Handlungsspielraum auf.“ In den letzten Jahren habe sich die Berliner Feuerwehr mit dem Thema Vegetationsbrand intensiv befasst. Es wurden Konzepte erarbeitet, zahlreiche Vernetzungstreffen und Fortbildungen organisiert. Auch in der europäischen Zusammenarbeit habe sich einiges getan.

Da die meisten Waldbrände menschengemacht sind, spielen die Sensibilisierung von Berlinerinnen und Berlinern sowie Umweltbildung eine zentrale Rolle. Britta Behrendt, Staatssekretärin für Umwelt- und Klimaschutz, wies darauf hin, dass in Deutschland eine starke und vielfältige Zivilgesellschaft vorhanden sei, die in den letzten Jahren mehrfach ihre Handlungsfähigkeit gezeigt habe. Es gelte, diese Ressource in der Waldbrandprävention besser zu berücksichtigen.

Ob der Naturschutz und Waldbrandschutz im Konflikt zueinander stehen? „Nein, ganz im Gegenteil“, meinte Sven Selbert, Referent für Waldnaturschutz und Nachhaltige Waldnutzung beim NABU. Das Thema Waldbrandschutz sei bei den Naturschützer*innen längst angekommen, sie sehen das aber nicht als segregiertes Problem. Denn der naturnahe Wald in unseren Breitengraden brenne nicht, es gebe gelegentlich Brände, aber keine Vollbrände. „Wenn wir unsere Ziele erreichen können – etwa integriertes Offenlandmanagement oder Waldumbau, weg von den Monokulturen hin zu Mischbeständen – kommen wir in einen resilienten Zustand“, erklärte der Naturschützer.

Waldumbau sei wichtig, aber es reiche nicht aus, wenn es um Bevölkerungsschutz geht, warnte Juliane Baumann, Waldbrandmanagerin und Gründerin von „Brandherde – integrative Waldbrandvorsorge“. Sie erzählte vom Ansatz, Nutztiere gezielt zur Waldbrandvorsorge einzusetzen. Das Besondere an Waldweide sei, dass sie Naturschutz und Brandprävention verbindet. In Brandenburg arbeitet Juliane Baumann zurzeit an einem Projekt, das unter anderem eine Risikoanalyse und Zonierung der Waldfläche nach möglichen Gefahren vorsieht. Konkrete Maßnahmen, etwa Beweidung, konzentrieren sich dann auf besonders gefährdete Zonen.

Kontrovers diskutiert wurde über die Möglichkeiten und die Grenzen sowie über die Methoden des Waldumbaus. „Der Wald lässt sich nicht überzeugen, schneller zu wachsen“, warf Gunnar Heyne, Amtsleiter der Berliner Forsten, ein. Dr. Johann Georg Goldammer plädierte: „Wir müssen in die Naturlandschaften dieser Erde schauen und daraus lernen für das, was auf uns zukommt“.

Die Klimakrise zwingt uns dazu, über den Tellerrand zu schauen, neue Wege zu wagen. Wir müssen den Wald widerstandsfähiger machen gegenüber Trockenheit, Hitze, Feuer, Stürmen und Schädlingen. Das kann nur gelingen, wenn wir unsere Kräfte bündeln und in einem breit angelegten, offenen Diskussionsprozess an zukunftsfähigen Lösungen arbeiten.

Die Diskussion wurde aufgezeichnet und kann hier nachgehört werden:

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